Meine 70er


Ende der siebziger Jahre kamen sie groß in Mode: Riesige Transistor-Kassettenspieler mit gigantischen Lautsprechern und mit einem Fach für die 8-12 Batterien versehen, die das Gerät in die Lage versetzten, ganze Innenstädte zu beschallen.
Der Tragegriff auf der Oberseite war eigentlich völlig unnötig, da die einzig jugendlich korrekte Art des Tragens das Balancieren des Gerätes auf der Schulter war.
Bad Kreuznach als Ort einer amerikanischen Garnison machte einem dabei klar, dass der politisch völlig unkorrekte Witz "Wieviel Personen braucht man, um einen ohnmächtigen Mitbürger schwarzer Hautfarbe wegzutragen? - 5 Personen: zwei für den Schwarzen und drei für den Gettoblaster" überhaupt kein Scherz war, sondern zutreffende Beschreibung der Wirklichkeit:
Die Stadt war voll mit Personen, die cool durch die Stadt schlenderten und dabei netto 30 Kilo mobiler Disco auf der Schulter mit sich schleppten.
Laut waren die Geräte, allerdings auch berüchtigte "Kassettenfresser", bei denen jeder "Bandsalat" komplizierte Operationen am Laufwerk wie an der Kassette selber erforderten. Die Feinheiten der qualitätsverbessernden Bandsorten 'Chromdioxid' oder 'Reineisen' waren ab 120 Dezibel Direktbeschallung allerdings völlig unnötig und konnte vernachlässigt werden.
Der Beitrag wurde am Mittwoch, 28. März 2012 veröffentlicht und wurde unter dem Topic Meine 70er abgelegt.
'Meine Siebziger: 17 - Der Gettoblaster'

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