Sonntag, 25. März 2012
Meine Siebziger: 16 - Der Rechenschieber
Meine 70er


Wer kennt ihn noch: Den Rechenschieber?
Für meine Kinder ist er ein lustiges, allerdings völlig unbegreifliches Phänomen aus dem frühen Mittelalter, und selten hat eine technische Veränderung (die Einführung des bezahlbaren Taschenrechners) so schlagartig ganze Inhalte im Schulunterricht verändert:
In der 7. Klasse lernten wir noch in Reutlingen an einem technischen-naturwissenschaftlichen Gymnasium in Mathematik die Feinheiten der Rechenschiebernutzung, mit Abschätzungen und den Möglichkeiten der verschiedenen Rechenformen auf den vielen Skalen des Rechenschiebers (meiner konnte mit Hilfe einer Markierung auf der Ableselupe das Gewicht von Eisenstangen aus Fluss-Stahl berechnen! Habe mich immer gefragt, wozu das denn gut sein sollte).
Und schon ein Jahr später wurde der Taschenrechner (TI-30) eingeführt - und der Rechenschieber ward nie wieder gesehen. Jetzt wurde auf 8 Stellen hinter dem Komma gerechnet, ohne dass eine Überschlagsrechnung zwingend notwendig gewesen wäre.
Im Keller müsste mein Schulrechenschieber noch irgendwo sein - habe ihn aber leider nicht mehr gefunden.
Schade, irgendwie.
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Meine 70er: 15 - Otto
Meine 70er


Wer den heutigen Otto Waalkes verstehen will, der muss seine Jugend in den Siebziger gehabt haben: Ottos Humor war etwas völlig Neues: Frech, hintergründig, bescheuert, mit den Medien (Musik, Fernsehen, Werbung) spielend, mit für die bürgerliche Öffentlichkeit unerhörten sexuellen Anspielungen - das alles von einem schlacksigen Kerl vorgetragen, der genau wußte, was er da tat: Otto Waalkes, der erste deutsche Comedian. Nicht politisch und korrekt wie ein Ulrich Roski, nicht altväterlich wie ein Heinz Erhard (von dem Otto vieles geklaut hatte!). Humor nur des Spasses wegen.
Die ersten beiden Otto-Platten 73/74 waren Platz 1 in der LP-Verkaufshitparade - und das Objekt eines regen Leihhandels unter uns Schülern.
Wir haben sogar unsere konservative, ältere Englischlehrerin dazu gebracht, im Sprachlabor eine Seite der Otto-Platten aufzulegen: wegen der vielen Anglizismen in seinem Humor.
Ich hatte die beiden Platten gerade wieder mit in die Schule zurückgebracht, als mir der rechtmäßige Besitzer zuraunte: "Gib ihr um Gottes Willen nur die 2. Platte, erste Seite, zum Abspielen - das ist die einzige, die halbwegs anständig ist!!"
Leider hatte ich die beiden Platten in den Hüllen unabsichtlich vertauscht. Unsere Lehrerin hatte einen puterroten Kopf ob der Witze unter der Gürtellinie - musste aber trotzdem Lachen.
Heute wäre solcher Spaß frei ab 3 Jahren - und Ottos Humor hat sich, finde ich, leider überlebt. Trozdem (oder deswegen): Die ersten Platten habe ich immer wieder gern gehört!
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