Tausende von Büchern in meinem Bücherschrank - aber manche lohnen sich, einfach noch einmal gelesen zu werden. Erneut 100 Vorschläge für ungewöhnliche Lesestunden - Ein wildes Sammelsurium des geschriebenen Wortes.

Dieses mal ein Sachbuch von 2011:

Lewis, Michael: The Big Short: Wie eine Handvoll Trader die Welt verzockten


Taschenbuch
352 Seiten
9,90 Euro (Kindle-Download: 9,90 Euro)

Meine Wertung: Wertung: 5 von 5 Sternen von Wertung: 5 von 5 Sternen



Es gibt Bücher, bei denen völlig klar ist, dass sie einmalig sind. Nicht wiederkehren. Keine Fortsetzung bekommen.
So war es für mich selbstverständlich, dass dem genialen "Wallstreet Poker" (Meine frühere Buchbesprechung dazu findet sich hier) von Michael Lewis keine Fortsetzung folgen konnte. Die Bestsellergeschichte eines Universitätsabsolventen, der in den 80ern durch Zufall einen Job als Trading Händler bei Lehman Brothers in der Wallstreet bekam - ohne betriebswirtschaftliche oder sonstige wirtschaftliche Kenntnisse. Der dort zum Wertpapierhändler ausgebildet wurde, in seinem dritten Jahr mehr verdiente, als sein Vater in seinem ganzen Leben. Und der vor seinem 30. Lebensjahr aus diesem aberwitzigen Leben der Wertpapierhändler ausstieg, um darüber ein Buch zu schreiben. Und wie es zum großen Crash Ende der 80er in den großen Tradinghäusern in den USA kommen konnte. Ein detailliert recherchiertes Buch über diese Geschichte, der dahinter stehenden Menschen, dem Konstrukt der handelbaren Hypothekenanleihen und dem darauffolgenden Crash am amerikanischen Wertpapiermarkt.

Was sollte nach so einem Buch noch kommen?

Erst die Kinowerbung für The Big Short nach dem gleichnamigen Buch eines gewissen Michael Lewis machte mich darauf aufmerksam, dass Lewis sich in den letzten 30 Jahren zu einem profunden Kenner des Wertpapierhandels und der dahinter stehenden Menschen entwickelt hat.
In seinem Buch The Big Short beschreibt er minutiös, durch welche Finanzkonstrukte und welche Handlungen es zum großen Bankencrash 2007 kommen konnte. Gut beschrieben und klar zu verstehen.
Und er porträtiert die paar wenigen Wertpapierhändler, die diesen unvermeidlichen Crash schon Jahre vorher kommen sahen - weil sie begriffen, dass der Irrsinn des Handels mit falsch benoteten Hypothekenanleihen ganz automatisch zu einem Desaster führen musste. Händler, die daraufhin gegen jeden Rat, jede Meinung und jeden Ratschlag Millionensummen gegen den Markt und die von Ihnen als Ramsch bezeichneten Papiere investiert hatten ("Leer", "Short" gehen, der Buchtitel).
Und die am Schluß recht behielten (und reich wurden) - nicht weil sie geraten, sondern weil sie offensichtlich als einzige den Mechanismus und die immanenten Risiken durchschaut hatten, die zusammen mit menschlicher Schwäche und Gier zur Finanzkatastrophe führen musste.
Toll geschrieben, hervorragende Insiderinformationen, sehr einfühlsame Portraits - das Buch ist jedem zu empfehlen!
Wer das gelesen hat, macht sich keine Illusionen mehr über die Dummheit der Menschen...
Der Beitrag wurde am Dienstag, 19. Januar 2016 veröffentlicht und wurde unter dem Topic 100 Buecher mehr abgelegt.
'100 Books More - Michael Lewis: The Big Short'

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